Eine gute Geschichte braucht einen Anfang und zum Schluss gibt es ein passendes, dem Erzählfluss bekömmliches Ende, zwischendrin verheddert sich mitunter der Faden und verblasst in der sengenden Sonne.
So oder so ähnlich hatten wir es im Deutschunterricht bei Frau Doktor H. schon seit der Untertertia vorgebetet bekommen. Wir wussten natürlich aus eigenem Erfahrungsschatz von Verästelungen, von Abzweigungen, die im Sande verliefen, vom im Kreise Gehen, von jäh sich auftuenden Spalten, die alles und jeden mit sich reißenden Lawinen und Stürme waren uns wohlbekannt. Die Wissenschaft von den Büchern und Geschichten, fällte zum Ende des Halbjahres, wenn die Hausarbeiten und Aufsätze sich mit den Meldungen im Unterricht zusammentaten, ihr Urteil über unser Vermögen. Oft war es ein ungenügendes.
Wir ließen uns von all den Unurteilen nicht restlos entmutigen und schrieben weiterhin Gedichte und kurze Prosastücke auf die leeren Seiten am Ende des Schreibhefts. Als mit der Zeit die elektrischen Schreibmaschinen die mechanischen ablösten, fanden wir bei wilden Sperrmülltouren durch Winterhude und das angrenzende, wohlhabendere Eppendorf unsere erste Olympia. Es handelte sich um eine Splendid 33, aber das Typenschild war verlorengegangen oder entfernt worden. Einerlei was von beidem stimmte, verkürzten wir mit einer aus dem Werkunterricht entwendeten, zweckmäßigen Metallfeile das übriggebliebene Firmenschild um den ersten und letzten Buchstaben und grinsten seither stets ein wenig, wenn wir auf der Suche nach einer treffenden Formulierung kurz inne hielten und den Blick über die Tasten schweifen ließen.
25.07.2026 - 11:49:46