Meine Eltern redeten nicht viel mit uns. Sie sangen uns Gute-Nacht-Lieder und lasen Astrid Lindgren vor, sie spielten auch Hoppe-Hoppe-Reiter oder den Finger-Abzählreim mit den Pflaumen, warfen uns in die Luft oder ließen uns an Hand und Bein gepackt im Kreis um sie herum fliegen, nur redeten sie selten mit uns wie mit gleichwertigen Menschen. Das soll jetzt nicht heißen, sie hätten es bevorzugt sich einer Kleinkindsprache zu bedienen. Weit gefehlt! Bei den üblichen Verwandschaftsbesuchen zu Weihnachten, bekamen mein Bruder und ich ein ziemlich deutliches Bild davon, was unsere Eltern von einer solchen Sprache hielten.
Meine Mutter konnte mit Blicken Pfeile werfen und wem das noch nicht deutlich genug war, der bekam schnell noch zwei knappe Worte entgegengezischt, und das war es dann. Ihre Schwestern hatten es jeweils versucht mich mit Kosenamen zu versehen und Worte gebrabbelt, die vielleicht gut gemeint waren, den hohen Ansprüchen meiner Eltern jedoch nicht gerecht wurden.
10.05.2026 - 21:43:40